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Feldsteinkirche - Ahnenforschung

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Feldsteinkirche

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Die romanische Feldsteinkirche des Ortes wurde ab 1230 errichtet, der Turm kam erst im Jahr 1806 hinzu. Ihre Orgel wurde 2006 unter Verwendung des Gehäuses sowie einiger Pfeifen der Vorgängerorgel neu gebaut.

Pastor Andreas Dreyer:
Wer die Landesberger Kirche in ihrer Gesamtheit anschaut, hält sie auf den ersten Blick für ein einheitliches mittelalterliches Bauwerk. Und denkt, sie wäre ‚aus einem Guss’. Doch weit gefehlt: baumeisterliche Kunst verstand es schon vor 200 Jahren geschickt, Altes mit Neuem zu verbinden, eine deutlich kleinere Vorgängerkirche nämlich so umzubauen, dass der Umbau bei oberflächlicher Betrachtungsweise gar nicht als solcher erkenntlich ist.

Die jetzige äußere Gestalt verdankt unsere Kirche in erster Linie einer großen Erweiterung, die in den Jahren 1790-1822 vorgenommen wurde. Die sehr lange Bauzeit hängt vor allem mit den Wirren der napoleonischen Zeit zusammen. Die Wurzeln der Landesberger Kirche, sprich ihre ältesten noch vorhandenen Teile, reichen jedoch weit zurück: der Mittelteil des Kirchenschiffes (ohne die zwei östlichen ‚Joche’ und den Turm) ist weitaus älter, wahrscheinlich sogar romanischen Ursprungs.

Dies kann aus mehreren Gründen als gesichert angenommen werden:

Die Form und Ausführungsart des Gewölbes, des sog. gurtbogenlosen Kreuzgratgewölbes, lässt eine Bauzeit vor 1230 als wahrscheinlich erscheinen (so schon Georg Dehio in seinem anerkannten Kunstreiseführer). Ein uralter Grabstein, der leider beim letzten Umbau nach Hannover abgegeben wurde, mit der Inschrift Sibertus obiit 1236 lässt vermuten, dass es bereits zu jener Zeit eine Vorgängerkirche der nun vorhandenen gegeben hat.

Dieses frühere Kirchlein, das weisen Zeichnungen und auch das alte Kirchensiegel noch aus, trug einen Dachreiter und hatte wesentlich kleinere Fenster als die jetzigen. Hinzu kam eine kleine Sakristei an der Südseite der Kirche sowie ein sog. Totenkeller auf der Nordseite.

Als Ende des XVIII. Jahrhunderts die Bevölkerung des Ortes stark angewachsen, der Dachreiter zudem recht baufällig geworden war, entschloss man sich zum Umbau. So wurde – aus dem gleichen Material wie der erste Kirchbau, nämlich aus Wölpinghäuser und Münchehäger Sandstein – 1806 der Kirchturm errichtet (aus Bruchsteinen), es wurden sämtliche Fenster deutlich vergrößert sowie die beiden Ostjoche zur Verlängerung des Kirchenschiffes angefügt (aus Quadersteinen). Wer genau hinschaut, kann die sog. ‚Baunaht’ zwischen 2. und 3. Fenster noch erkennen. Dies gilt übrigens auch für den Ansatz des Gewölbes, vom Dachstuhl aus sichtbar.

In der nun vorhandenen Länge bietet die Kirche etwa 330 Menschen ausreichend Platz. Die durch das Gewölbe beeinflusste Akustik ist hervorragend. Einzig das Fehlen einer Sakristei kann bemängelt werden.

Hinzuweisen sind Spurensucher unbedingt noch auf einzelne Quader in der Nähe der Treppe zum Heizungskeller, die Versteinerungen im Sandstein aufweisen, welche urzeitliche Fische zeigen – ein wahrlich passendes Symbol für einen Kirchbau.

Der älteste erhaltene Kunstgegenstand der Kirche ist ein vorreformatorischer Abendmahlskelch mit einer Marien-Inschrift. Belegt ist außerdem eine ehemals vorhandene Glocke mit der recht ungewöhnlichen Inschrift Maria Magdalena 1526, die aber leider umgegossen worden ist. Dies lässt vermuten, dass in katholischer Zeit die Kirche den Namen Maria von Magdala trug. Die Kirche trägt jedoch seit der Reformation kein Patrozinium mehr und erinnert andere Gemeinden dadurch daran, dass evangelisch-lutherische Kirchen eines solchen eigentlich auch nicht bedürfen.

Beim Gang um die Kirche fällt sodann die Grablege des Estorfer Adelsgeschlechtes nahe dem Turm ins Auge. Sie erinnert daran, dass der gesamte Kirchhof einst Friedhof war. Zuletzt wurde in der Zeit der Personalunion zwischen Hannover und England hier 1796 sogar ein königlich hannoversch-britannischer Generalfeldmarschall begraben. Auf Wunsch der Familie wurde nicht zuletzt deshalb seinerzeit von einer Einebnung dieser Grabstätte abgesehen.

Der Kirchplatz ist darüber hinaus in seiner Gesamtheit ein einzigartiges historisches Ensemble, aus unserer Sicht der Dorfmittelpunkt, dessen Bewahrung die Kirchengemeinde sich zur Aufgabe gemacht hat:

   Aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt das sog. Kantorhaus am Eingang des Kirchplatzes, in dem früher stets der Hauptlehrer wohnte. Dieser war damals zugleich auch Organist bzw. Kantor der Kirchengemeinde.
   Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Baujahr 1860) stammt das Gemeindehaus, das früher Schulhaus und Lehrerwohnhaus in einem war. Es erinnert uns somit an den Bildungsauftrag des Protestantismus.
   Die Pfarrscheune von 1885 schließlich, heute an das neue Pfarrhaus angelehnt, stammt ebenfalls aus dieser Zeit und erinnert daran, dass früher die Pastoren neben ihrem Amt - wie fast alle Einwohner des Ortes – Ackerbau und Viehzucht betrieben.

Der Innerraum der Kirche ist heute stark von der Renovierung Anfang der sechziger Jahre dominiert. Früher prägten der barocke Kanzelaltar und die Emporen die Innenansicht. Ihre alten Messing-Kronleuchter hatte die Kirchengemeinde bereits bei der Metallsammlung im Kriege eingebüßt. Beim Kirchenumbau 1960 wurden die Emporen sowie der barocke Kanzelaltar entfernt. Von letzterem ist allerdings noch der Kanzelprospekt erhalten geblieben, der nun die Seitenkanzel schmückt. In den siebziger Jahren wurde zudem die alte Röver-Orgel aus dem Jahre 1878 wegen Reparaturbedürftigkeit entfernt.

Die jetzigen Kronleuchter und Wandleuchten konnten in den neunziger Jahren beschafft werden (Fa. Oehlmann), 2006 kam das von dem Künstler Siegfried Zimmermann (Hannover-Marienwerder) gestaltete bronzene Altarkreuz mit der Dornenkrone hinzu. Es wurde in der Metallgießerei Barz in Rinteln im Beisein von Kirchenvorstandsmitgliedern gegossen.

Das jüngste Bauprojekt der Kirchengemeinde ist die lange geplante Vollendung der Kirchenorgel. Befand sich in dem Gehäuse 30 Jahre lang lediglich Orgeltorso von nur sechs Registern, so konnte 2007 endlich der Orgelausbau zu einer 18 Register enthaltenden Vollorgel gefeiert werden. Sie wurde von der Orgelbaufirma Bente, Bad Nenndorf angefertigt.  

In früheren Zeiten gehörte der Nachbarort Estorf zur Landesberger Pfarre, hatte aber einen eigenen Kapellprediger, der unter Aufsicht des Landesberger Pfarrers stand. 1806 wurde die Kirchengemeinde Estorf selbstständig, sie wechselte einige Jahrzehnte später sogar den Kirchenkreis.

Eine Besonderheit Landesbergens stellt die Tatsache dar, dass abgesehen von zwei Ausnahmen sämtliche Pastoren seit der Reformation bis zu ihrem Tode bzw. ihrer Pensionierung in Landesbergen blieben – eine dem Verfasser dieser Zeilen nur aus einer einzigen anderen Kirchengemeinde unserer gesamten Landeskirche bekannte Besonderheit. - Daraus erklärt sich auch die außerordentlich niedrige Zahl von nur 25 Pastoren seit Einführung der Reformation durch die Grafen von Hoya um 1529 bis auf den heutigen Tag.

 
 
 
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